Kletterreise nach Alicante

 

Von Christl Gensthaler 2018

 

 

 

Dienstag: Beim Anflug auf Alicante wird Land sichtbar. Tiefblaue, kleine künstliche Seen fallen mir auf, weite, kleinteilige Acker- und Weinbauflächen. Dann dichte Besiedelung. Landung. Koffer holen. Ich eile zum Busbahnhof, da wartet Hannes und im Nu verlassen wir den Flughafen. Straßen scheinen sich ineinander zu schlingen. Hannes fährt, wir haben viel zu lachen, einfach weil wir uns freuen, gleich einen Felsen anzusteuern. In Cabreras bei Sax klettern wir Carrasco und Tupungato. Der Fels ist so ungewohnt scharfkantig, dass mir bald die Hände wehtun. Auf verschlungenen Straßen kommen wir in das Tal, in dem Hannes’ Haus steht. Die Asphaltstraße wird schmäler, endet, weiter geht es auf einem Schottersträßchen. Nach einigen Abzweigungen biegt Hannes auf „seine“ Straße ein. Anfangs wird sie von großen Kalkblöcken gesäumt. Ein kleiner Baum steht am Straßenrand.

 

 

 

Mittwoch: Sierra de Troix: Renov, Black Route, Espolon Gris, Viejos tiempos. Diese Routen sind ein bisserl leichter als die gestern. Das Wetter sieht nach Regen aus, deswegen hören wir mit dem Klettern auf. „Da drunten am Meer gibt es einen großen Felsbogen und eine Menge schwere Routen“, hat Hannes gesagt. „Man muss ein Stück weit hinwandern. Sollten wir einmal anschauen.“ - „Warum machen wir des net gleich?“ Auf einem schmalen Schotterwegerl wandern wir hoch über dem Meer am Hang entlang, Felsen über uns, manchmal ein Abbruch unter uns, durch magere Vegetation. Nach vielleicht einer halben Stunde sagt Hannes: „Schau, da is es!“ Ein Loch gähnt im Boden. Tiefblau leuchtet das Meer herauf, ein eindrucksvoller Felsbogen wölbt sich. Glatte Wände stützen den Bogen und bilden die riesige Piraten-Cave. Da und dort ist an den Haken eine Route zu erkennen. „Wie kommen die Kletterer an den Einstieg? Fahren sie mit dem Boot hin?“ frage ich. „Nein, die seilen ab.“ – „Oh, da musst’ aber ganz schön frech sein. Die Routen sehen net leicht aus.“ Auf dem Rückweg lassen dunkle Wolken unsere Schritte flott werden.

 

 

 

Donnerstag: Gegen Mittag ist das Wetter so schön geworden, dass wir nach Sella fahren. Landschaftlich ist die Fahrt wunderschön über Serratella, la Torre de les Macanes (Apfeldorf), el Teix, Relleu („Hundertwasserdorf“, weil die Häuser bunt gestrichen sind). In Sella zweigen wir in ein Tal ab, das von hohen Felswänden eingeschlossen wird. Am „Mittelriff“, das wie ein Schiffskiel in die Mitte des Tales gerammt scheint, klettern wir Cul de Sac, Ali Baba y 40 Kommandos, Allmoranas Salvajes. Moderate Schwierigkeit, einfach schön.

 

Freitag: Hannes meint, wir könnten uns Zeit lassen, erst gegen Abend sind Gewitter angesagt. So fahren wir über Xixona Richtung Alicante und auf der Schnellstraße bis Villajoyossa. Hier sind wir vorgestern schon vorbei gekommen. Wie vorgestern erschrecke ich jetzt wieder über die Bauten von Benidorm, die sich auf engstem Raum zusammendrängen und hoch in den Himmel ragen. Eine „Touristenhochburg“ soll das sein. Abzweig nach Finestrat und dort in das Tal Puig Campana in der Serra Orxeta.

 

Etwa eine Stunde lang steigen wir bergauf an den Fuß des Puig Campana zum Einstieg der Expolón Central, einer langen Tour auf einen der höchsten Gipfel der Costa Blanca (1406 m). „Die Tour gehört zu den fünfzig schönsten der Costa Blanca“, hat Hannes geschwärmt. Und wirklich: die Seillängen, die wir hinaufklettern, bieten wahre Schmankerl mit handlichen Griffen in scharfkantigem Kalk, luftige, ausgesetzte Stellen, manchmal rauen, gerillten Fels mit Löchern, Rissen und Schuppen, die Freude beim Anfassen machen. Nach der vierten Seillänge sagt Hannes: „Jetzt geht es hinaus an die Kante.“ Eine luftige Kante zieht himmelwärts. Vier Seillängen an dieser Kante verführen mit herrlichen Griffen und sportlichen Abschnitten, so dass ich immer wieder innerlich und einmal auch „äußerlich“ juchzen muss. Es ist ein Superspaß, da hinauf zu turnen.

 

Am Ende der achten Seillänge betrachten wir den Himmel im Westen. Nein, gut schaut es dort nicht aus. Dunkelgrau hängen die Wolken tief herunter, Donner grollt und hört sich recht nah an. „Besser ist es wenn wir abseilen“, beschließt Hannes. Die erste Seillänge seilen wir noch trocken ab, dann beginnt es zu tröpfeln und zu regnen. Schnell ist der Fels nass, das Seil und wir. Die Kletterschuhe rutschen auf dem nassen Fels. Als ich wieder abseile, spritzt Wasser aus dem Seil auf meinen Bauch. Lustig sieht das aus, ist aber nicht lustig!

 

 

 

Samstag: Am Nachmittag fahren wir nach Alicante und wandern ein Stück über die Calle de Explanada de España, eine sehenswerte Prachtstraße direkt am Hafen, an der Palmen Schatten spenden und die mit rotem, weißem und schwarzem Marmormosaik kunstvoll und aufwändig gepflastert ist.

 

„Magst’ ein Eis?“, fragt Hannes, „Mandeleis aus Xixona ist eine Spezialität.“ Eis naschend schlendern wir durch die Stadt. Auf einem Platz zwischen den hohen, alten Häusern stoßen wir auf riesige – wirklich riesige Gummibäume. Sie haben dicke, miteinander verschlungene Stämme, lange Luftwurzeln, die teilweise zu Bündeln zusammengebunden sind, und gigantische Blätterkronen. Die Tische und Stühle des Cafés, die zwischen den Bäumen stehen, verschwinden hinter Stämmen und Luftwurzeln. Einen Sichtschutz braucht es hier nicht.

 

Sonntag: Wir fahren nach NO über Serratella und La Torre de les Macanes auf den Port de Benifallim (1000 m) hinauf. Jenseits des Passes führt die Straße kurvenreich über den Port del Retonar (1001 m) und hinunter nach Benifallim, das in einem breiten Tal liegt, in dem auf Terrassen Mandeln und Oliven gedeihen. Über Pensguila erreichen wir Guadalest, ein Felsenriff mitten im Tal, auf dem eine Burg thront, die Anziehungspunkt vieler Ausflügler heute am Sonntag ist.

 

Am „Riff“ gibt es ein paar leichtere Routen. Viele große Griffe, ausreichend Tritte. Dann Dieta mediterránea, eine sehr schöne Route, und La pedra ibérica. Es gäbe noch viele weitere Routen. Im kleinen Ort Guardalest tummeln sich jetzt überall Touristen. Über Benimantell fahren wir nach Benidorm an der Küste. Sehr beeindruckend steht immer wieder das tiefblaue Meer wie eine Mauer in unserem Blickfeld.

 

Montag: Zum Abschluss hat Hannes ein Highlight ausgesucht: den Penon de Ifach bei Calpe. Dieser Felskoloss steht auf einer Halbinsel frei im Meer. Die Uferpromenade führt zu den Einstiegen. Palmen und Blumen säumen die einladende Promenade, rechts klatschen die Wellen an die Uferfelsen, links fast direkt über der Straße schießt die Felswand in den Himmel.

 

Die erste Seillänge ist sehr poliert. Immer wieder sage zu mir: „Trau dich! Trau dich! Pack zu! Geht doch!“ Bei so manchem Zug kommt Kletterfreude auf. Auf jedem Standplatz gibt es allerhand zu schauen: Kleine Schifferl ziehen vorbei, Segelboote, Motorboote, Menschen flanieren auf der Uferpromenade weit unter uns. Vor allem vollführen die Möwen ein Schauspiel, das meine Augen beschäftigt. Im Gleitflug segeln sie um den Felsen. Im Sturzflug verfolgen sie einander. Sie scheinen fast ständig zu schreien, zu lachen, zu streiten. Ab und zu scheinen sich alle gleichzeitig über irgendetwas aufzuregen, weil dann ihr Spektakel glatt das Rauschen der Brandung übertönt. Als ich Hannes nach der achten Seillänge erreiche, meint er: „Wir sollten abseilen. Die Leut vor uns sind sehr langsam. Jetzt kommt da oben ein langer Quergang, vor dem mehrere Routen zusammenkommen. Des gibt eine endlos lange Warterei.“

 

Auf der Uferpromenade wandern wir Richtung Calpe hinüber. Natürlich bleiben wir immer wieder stehen und schauen in die hohe Wand hinauf. „Der Quergang und die beiden restlichen Seillängen haben uns jetzt gefehlt“, sagt Hannes bedauernd. „Ja, ein bisserl schade. Muss ich noch einmal kommen.“

 

Am Ortsrand von Calpe biegt Hannes von der Uferpromenade ab und lässt seinen Rucksack auf den Kiesstrand fallen. „Jetzt können wir eine Runde chillen!“, sagt er. Ich muss lachen. „Chillen? Wir? Wie soll denn des gehen?“ Hannes weiß es auch net so genau, nimmt seine Crocks und panscht mit den Füßen im schäumenden Brandungswasser. Ich jedenfalls chille, rutsche vom Hocken auf meinem Rucksack zum Liegen hinunter und könnt es leicht eine Weile so aushalten. Ich schau in die Felsen hinauf und dann aufs Meer hinaus. Schön ist es, so schön.

 

Die Fahrt nach Hause über Xixona genieße ich besonders, es wird die letzte bei diesem Besuch sein. Ich finde diese zerfressene Canyon-Landschaft, durch die sich die Straße windet, großartig, denn sie ist unbandig vielgestaltig. Da und dort steht ein Haus auf einer Terrasse im Canyon, umgeben von Palmen und manchmal viel Bambus, der ganze Wände bildet.

 

 

 

Noch einmal Alicante

 

Von Christl Gensthaler 2019

 

 

 

Sonntag: Ob ich diesmal die Mandelbäume blühen sehe? Beim Anflug fallen mir die lang gezogenen, scharfen Felsriffe auf, die sich aus der bergigen, braunen Landschaft erheben. Terrassen überall, dann dichte Besiedelung. Wenig später sitze ich bei Hannes im Auto auf der Fahrt „nach Hause“.

 

 

 

Montag: „Wir sollten angreifen, weil das Wetter jetzt schön ist.“ Also heute Puig Campana (1410 m): Espo,ón Central, 4+, 13 Seillängen, 6-10 Stunden vom Parkplatz aus. Vor einem Jahr hat uns ein Gewitter nach der 8. Seillänge heruntergewaschen.

 

Wieder ist der Fels herrlich rau mit großen Griffen und scharfkantigen Mulden, in die man regelrecht hineinfallen könnte. Es ist ein Genuss, die Hände in so einen Griff zu legen. Schnell wächst die Tiefe unter uns. Wir klettern zunächst in einer Wand, die von einem Risssystem durchzogen ist. Später folgt die Route der luftigen Kante, die markant die Südseite von der Südwestseite des Puig Campana trennt. Oft kommt Wind auf, der sich um den Grat tummelt und dann wieder verebbt. „Gefällt’s dir?“, fragt Hannes. „Ja, sehr!“ Ich freu mich einfach.

 

Heut gibt’s kein Gewitter. Keine Wolke ist zu sehen. Nachdem wir eine leichte Seillänge hinaufgeklettert sind, sagt Hannes: „Hier ist der höchste Punkt unserer Route.“ Zum Gipfel ist es nimmer weit. „Wahrscheinlich hat’s da droben nur noch brüchiges Zeug, weil sie im Führer die Querung angegeben haben.“ Diese Querung ist ein schmales Wegerl, das über die ganze Breitseite des Puig Campana führt. Ein paar Mal sind felsige Abbrüche mit dünnem Drahtseil gesichert. Steinmandln und rote Punkte zeichnen den Weg.

 

Als wir die Scharte zwischen den beiden Puig Campana-Hälften erreichen, freuen wir uns übers Hinsetzen. Schuhe wechseln, nach Finistrat hinunterblicken, die blauen Berge im Westen bestaunen, weit aufs Meer hinausschauen. „Schön ist es da!“ – „Jaa!“

 

 

 

Dienstag: „Ich würd gern auf deinen Hausberg hinaufsteigen.“ Wir wandern durch den Wald mit stacheligen Macchia-Stauden auf den Kamm des Hausberges hinauf. Immer wieder macht Hannes mich auf die Eichen-Prozessions-Spinner aufmerksam. Das sind Schmetterlinge, deren Raupen „Wollknäuel“ spinnen, in die sie die Eier abgelegen. „Pass auf, dass’d keins berührst,“ mahnt Hannes, „die sind giftig! Ihre Haare verursachen Raupenallergien.“ Die Aussicht vom Hausberg ist begrenzt, alles ist mit Bäumen zugewachsen. Unser Weg nach Hause gestaltet sich nicht einfach, denn hohe, alte Terrassen verhindern direkte Abstiege.

 

Am Nachmittag fahren wir durch Xixona nordwestlich Richtung Tibi, zweigen hinter einem Pass nach SW ab und gelangen in die Schlucht, die unterhalb des alten Stausees liegt, den die Mauren vor Zeiten gebaut haben. Sie besteht aus farbigem Gestein, von dunkelrot über ocker in allen Schattierungen bis zu türkisblaugrau. Steil ragen rote Felsen auf, bilden kompakte Wände und scharfe Grate. Die helleren Gesteinsschichten formen vielfach zerklüftete Canyonwände. Eine grandiose, kleine Landschaft! So wild und unglaublich schön!

 

 

 

Mittwoch: Der Penon de Ifach steht noch einmal auf der Wunschliste. Wanderung über die Uferpromenade der Sonne entgegen. Heute ist niemand vor uns. Diedro USBA 6a, 250 m, 10 Seillängen, A für Abenteuer Kletterroute (aus dem Kletterführer). Der Einstieg ist spannend: abgeklettert, speckig, glatt. Die Griffe sind vorgegeben, weil sie mit Chalk-Spuren bestens markiert sind. „Manchmal löst sich eine schwierige Stelle ganz von selber auf“, meint Hannes einmal auf einem Standplatz. Ich kann zustimmen, denn das passiert immer wieder. Zuerst sehe ich gar keine Möglichkeit, dann finde ich da ein Eckerl, dort eine kleine Leiste, ganz einfach komm ich ein Stückerl höher. Das macht Spaß.

 

„Hier beginnt der Quergang“, sagt Hannes nach der 8. Seillänge unter dem großen Höhlendach. „Ich lass dich ein Stück hinunter auf das Band“, ergänzt er. Die 9. Seillänge führt durch eine Verschneidung in eine Scharte, von der aus man auf der anderen Seite des Ifach auf die Bucht von Calpe hinunterschauen kann. Leichter geht es hinauf zum Ausstieg. Eindrucksvoll ist die Aussicht vom Gipfel auf das tiefblaue Meer, auf die Küste, auf die Häuser von Calpe und auf die Silhouette von Benidorm mit seinen verrückten Hochhäusern.

 

 

 

Donnerstag: Fahrt nach Busot. In der Riesenwand über dem kleinen Ort gibt es acht Sektoren. Sektor F weist leichtere Sportkletterrouten auf. Hannes sichert mich, ich darf hemmungslos klettern. Alle Routen sind etwa 20 m hoch mit rauem Fels. Manche Züge erfordern Mut, weil sie steil und nur auf Reibung sind.

 

 

 

Freitag: 7°C. Nicht grad tropisch. Über Benidorm fahren wir weiter nach Altea. Auf einer abenteuerlich steilen, sehr schlaglöcherigen Straße geht es hinauf unter den langen Kamm der Bernia (1129 m) zu einer Urbanisation (kennt man bei uns net). Bei dem kleinen Weiler bleibt das Auto stehen.

 

Unser Ziel ist der Bernia-Grat. „Des is der Jubiläumsgrat der Costa Blanca“, hat Hannes mir vorgeschwärmt. Im Kletterführer lese ich: „Bèrnia Ridge 4c ***** Die Serra de Bèrnia ist eine über 1000 m hohe Bergkette im bergigen Hinterland von Calpe. Über den wild gezackten Grat führt eine über 10 Seillängen lange, außergewöhnlich schöne alpine Kletterei im oberen 4. Schwierigkeitsgrad.“

 

Ein Steigerl windet sich unter den Felswänden entlang zum Forat de Bèrnia, einem natürlichen Tunnel, der das Felsriff durchbohrt. Er ist so niedrig, dass man fast auf allen Vieren durchkrabbeln muss. Auf der Nordseite klettern wir leicht hinauf in den Ost-Col. Dann folgen wir dem Grat in lustiger Kletterei, hinauf, hinunter, einmal auf der Nordseite, dann auf der Südseite, oft direkt oben auf dem luftigen Kamm. „Jubeln!“ muss ich immer wieder rufen, denn ich falle in dermaßen scharfkantige, ideale Griffe, dass ich sie nicht nur einfach anfassen kann, sondern dazu jubeln muss! Die Kletterei ist nicht schwierig, aber aufpassen muss man ständig. Hannes nutzt jedes Köpferl, indem er das Seil drüberlegt. Die Schlüsselstelle des Bèrnia-Grates ist pikant: eine völlig glatte Mauer ist schräg links aufwärts zu überklettern. Eine Hakenreihe zeigt den Weg.

 

Weiter gehen und klettern wir auf und ab auf dem Grat bis in die breite Scharte, hinter der es auf den Hauptgipfel geht. „Wir sind etwa die Hälfte des Grates geklettert“, stellt Hannes fest, „die interessantere Hälfte. Über den Hauptgipfel ist es eine lange, verschärfte Wanderung.“ - „Mir reicht die Anstrengung“, muss ich zugeben, „die Wanderung ist nicht wichtig.“

 

 

 

Samstag: Wieder ist ein schöner Tag heraufgedämmert. Wir fahren nach Xalo und bummeln über den Samstags-Markt. Es gibt jede Menge Altertümer und alte Trümmer. Wir genießen das Schauen, Staunen, Abwägen, denn brauchen können wir nichts. In einer Bodega kosten wir drei verschiedene Rotweine. Bei Himbeer-Essig und Rosmarin-Öl denke ich an kleine Mitbringsel. Dann probieren wir drei Sorten Muscatel, den speziellen Süßwein der Costa Blanca.

 

Eine kurze Fahrt bringt uns nach Alcalali, einen kleinen Ort mit einer langen Felswand. Sektor B hält Hannes für geeignet. Ich darf im Vorstieg klettern. Eine strahlende, flügellahme Christl kommt auf den Boden zurück. Danke, Hannes!

 

Dann eine abwechslungsreiche Fahrt heimwärts: Von Alcalali nordwärts Richtung Parcent, Abzweig zum Coll de Rates (780 m). Weiter auf der wunderschönen CV 15, auf der jede Menge Radfahrer, vor allem bunt gekleidete Gruppen, unterwegs sind. – Tarbena – Bolulla – Polop (sehr schön gelegener Ort) – Nucia – Benidorm - Schnellstraße nach Alicante, dann Xixona und nach Hause.

 

 

 

Montag: Eine Amsel, ein paar Spatzen, zuletzt der Gockel des Nachbarn beginnen geräuschvoll den Tag. Straßen sind so weit entfernt, dass man nichts vom Motorenlärm hört. Gestern hat es den ganzen Tag über geregnet, manchmal stärker, manchmal weniger. Heut soll es bewölkt sein, eventuell gibt es noch ein paar Schauer. „Ich brauch noch Turrón zum Mitbringen“, gebe ich zu bedenken. „Was hältst’ von einer Wanderung zum Stausee der Mauren?“- „Ja, des hört sich verlockend an.“

 

Zuerst kaufen wir in Xixona in einer der Turrón-Fabriken ein. Dann fahren weiter nach Tibi. Wieder öffnet sich hier die irgendwie liebliche, karge Canyon-Landschaft, durch die wir auf dem kurvenreichen Sträßchen fahren. „Heut schaut alles ein bisserl anders aus“, stelle ich fest, „frisch gewaschen und ganz lebendig. Schön ist es!“ Bei einem Sperrschild bleibt das Auto stehen. Vom Stausee der Mauren sind wir etwa zwei Kilometer entfernt. Als ich aus dem Auto aussteige, umgibt mich eine Wolke von Rosmarinduft. Ein wunderschöner Empfang!

 

Herrlich ist die frisch gewaschene Luft. Ein bisserl bergauf und bergab, allerhand Kurven, da kommt die Staumauer ins Blickfeld. Dunkel sperrt sie das Tal ab. Ein schmales, teilweise mit einem Geländer gesichertes Wegerl führt am steilen Hang entlang bis unter die Staumauer. Auf einem Schild lesen wir: „42 m hoch, 1576 – 1594 erbaut mit von Hand behauenen Steinen. Einer der ältesten Stauseen in Europa“. Über eine abenteuerliche Treppe steigen wir auf die Staumauer hinauf: Jeweils für den rechten oder den linken Fuß gibt es eine Stufe. Der Embalse de Tibi ist bis oben hin voll Wasser. Dunkel liegt es zwischen den steilen Bergkämmen. Umrunden kann man ihn deshalb nicht.

 

„Der Stausee ist ein beliebtes Ausflugsziel“, hat Hannes gesagt. Wir sind heut allein unterwegs, während wir zurück zum Auto wandern. Der Versuch, die Schuhe wenigstens einigermaßen von Lehm zu befreien, scheitert vollkommen.